Deutsche Provinz der Jesuiten

Gott ist immer größer

Simon Lochbrunner SJ im Mai 2016 in Alaska: "Last Frontiers & Final Boundaries".

Zusammen mit fünf anderen Jesuiten ist Simon Lochbrunner SJ in Innsbruck zum Priester geweiht worden. Was hat ihn bewogen, Jesuit zu werden? Und was bedeutet die Priesterweihe für ihn?

Seit ich neun Jahre alt bin, gibt es in mir den Gedanken, katholischer Priester zu werden. In den knapp 24 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich in diesem Wunsch vieles verändert: die Motivation, Inspiration, Sehnsucht und Hoffnung, welche sich im Lauf der Zeit mit dieser Vorstellung verbunden haben. Was seitdem fast durchweg gleich blieb, ist der primäre Zugang zu dem Thema: die Überzeugung, dass es einen Gott gibt, von dem ich glaube, dass er weiß, was er mit dieser Welt will, gerade dann, wenn ich selbst überhaupt keinen Sinn darin sehe.

Ich glaube an einen Schöpfergott, ohne wen nichts ist. Und damit hat alles, was ich erlebe mit ihm zu tun: jede Faser unserer Existenz, bis hinein in den kleinsten Atomzerfall der Moleküle, aus denen sich unsere Zellen zusammensetzen. "Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen." (Psalm 139)

Dieser Gott fasziniert mich. So sehr, dass ich die Beziehung zu ihm ins Zentrum meines Lebens setze und alles andere demgegenüber unterordne. Von da aus ist es ein kleiner Schritt, Ihn zu verkündigen und zu feiern. "Denn wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund." (Mt 12,34)

In der Vorbereitung zur Priesterweihe - das sind nun immerhin 14 Jahre - durfte ich enorm viel lernen. Über Gott und die Welt. Und vor allem darüber, dass die eine fundamental mit dem andern zu tun hat, obwohl beide von Grund auf verschieden sind. Deshalb die Spannung aus Schönheit und Elend, aus Leben und Tod, aus Ein- und Ausatmen. Ich durfte lernen, dass ich allein nicht einsam bin, weil es mich nicht ohne das ewige Du Gottes gibt. Und ich durfte viele Menschen kennenlernen. Viele Menschen. Verschiedene Menschen, die auf ihre Weise alle von der Sehnsucht nach einer Heimat sprechen, nach der sie in dieser Welt zwar Ausschau halten, die sie aber letztlich hier nicht finden. Jede dieser Begegnungen führte und führt mich ein Stück weit näher zur Wahrheit über Gott und mich selbst. Wenn nämlich unsere Herzen dafür offen sind, können wir in jedem Menschen Jesus Christus selbst begegnen, durch den Gott in der Welt "Fleisch" wird.

Und letztlich durfte ich Gott immer mehr kennenlernen. Er ist für mich mittlerweile das Intimste und gleichzeitig Fremdeste meines Lebens. Je näher ich ihm zu kommen scheine, desto mehr geht mir auf, wie wenig ich von ihm begreife. Gott ist und bleibt immer größer. Größer als meine Vorstellungen, die ich von ihm entwerfe, größer als das Leid dieser Welt und größer als die Grenzen, die wir aus Angst vor einander schaffen.

Gott, alles, was ich bin und habe, kommt von Dir. In Deiner unendlichen Nähe bist Du mir fremd. Und doch kennst Du mich mehr als ich mich selbst. "Denn Du hast mein Innerstes geschaffen." Gib uns die Gnade, dass wir uns immer mehr auf Deine Gegenwart einlassen. Wir bitten Dich: Lass an uns und durch uns Deinen Wille geschehen. Amen.

Simon Lochbrunner SJ (* 3. November 1982) wuchs im schwäbischen Kirchheim auf und machte 2002 sein Abitur in Ursberg. Seit seiner Jugendzeit und bis zum Ordenseintritt 2008 arbeitete er auch im elterlichen Biohof in Derndorf mit. Von 2002 bis 2007 studierte er Theologie an der Universität in Augsburg, wo er von 2005 bis 2007 auch im Priesterseminar war. Nach dem Noviziat engagierte er sich in der Jugendarbeit in Hamburg (KSJ). Seit 2013 studierte er Pastoral Counseling in Chicago. Nach der Priesterweihe übernimmt er das Gebetsapostolat der Jesuiten in Deutschland und unterstützt den Novizenmeister in Nürnberg.

Seine Primiz feiert Simon Lochbrunner SJ mit seiner Heimatpfarrei St. Peter und Paul in 87757 Kirchheim. Am Samstag, 24. September, ist um 19.30 Uhr eine Meditation in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Kirchheim. Die Primizmesse findet am Sonntag, 25. September, um 10 Uhr auf dem Kirchheimer Marktplatz statt. Eine Dankandacht ist um 17 Uhr in der Derndorfer Kirche St. Vitus.

letzte Aktualisierung am 22.09.2016