Ignatianische Gemeinschaften

Die Spiritualität des heiligen Ignatius von Loyola prägt nicht nur uns Jesuiten: Auch Laiengemeinschaften und Frauenorden auf der ganzen Welt leben aus dieser Tradition heraus. Gemeinsam bilden wir die „ignatianische Familie“.

Was uns verbindet, ist die Suche nach Gott in allen Dingen und der Wunsch, die Welt im Geist des Evangeliums mitzugestalten. In Exerzitien, Bildungsarbeit und sozialem Engagement arbeiten wir vielfach partnerschaftlich zusammen und inspirieren gegenseitig unser Wirken.

Ignatianische Spiritualität

Die ignatianischen Gemeinschaften verbindet ihre Spiritualität. Was diese ausmacht, können Sie hier erfahren.

Ignatianische Laienbewegung: Die GCL

Seit den Anfängen des Jesuitenordens gibt es ignatianische Gemeinschaften, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Geist der Ignatianischen Exerzitien in den normalen Berufsalltag oder in das Familienleben zu integrieren. Im 16. Jahrhundert geschah das vor allem an den Jesuiten-Kollegien: Die „Marianischen Kongregationen“ waren Verbände, in denen sich Schüler und Erwachsene spirituell formen ließen.

Heute ist die größte Laiengemeinschaft, die aus der ignatianischen Spiritualität heraus lebt, die GCL, die „Gemeinschaft Christlichen Lebens“. Sie entstand 1967 aus der Tradition der Marianischen Kongregationen. Die GCL ist weltweit vernetzt und aktuell in etwa 75 Ländern präsent. Ihre Mitglieder treffen sich regelmäßig in Gruppen, um sich über das eigene Leben auszutauschen und sich gegenseitig im Glauben zu unterstützen.

In Deutschland sind die Gruppen in Diözesan- und Regionalgemeinschaften organisiert, die zusammen die Nationalgemeinschaft der GCL bilden. Die GCL bietet viele Exerzitienkurse an und bildet auch selbst, in Zusammenarbeit mit Jesuiten, Laien zu Exerzitienbegleitern aus.

Weitere Informationen zur GCL

Frauenorden im Geist der ignatianischen Spiritualität

Es gibt Benediktinerinnen, Franziskanerinnen, Dominikanerinnen – aber keine Jesuitinnen. Warum hat der Jesuitenorden keinen Frauenzweig? Ein Blick in die Geschichte gibt Aufschluss.

Jesuiten sind ganz auf die Seelsorge hin ausgerichtet, was zur Gründung des Ordens im 16. Jahrhundert nur für Priester, also nur für Männer, denkbar war. Frauenorden konnte man sich damals nur streng klausuriert, also in klösterlicher Abgeschiedenheit, vorstellen – und genau so lebten in jener Zeit die „Frauenzweige“ anderer Orden. „Tätige“, also sozial oder seelsorgerlich aktive Frauenorden, gab es erst seit dem 17. Jahrhundert. Ignatius scheute außerdem die seelsorgerliche Verpflichtung, die damals andere Männerorden in ihren jeweiligen klausurierten Frauenzweige zu erfüllen hatten.

Deswegen wurden die Frauenorden, die sich an ignatianischen Idealen orientieren, nicht als Frauenzweige des Jesuitenordens gegründet. Stattdessen sind sie rechtlich selbstständig, arbeiten aber vielfach partnerschaftlich mit Jesuiten zusammen.


Die größten ignatianischen Frauengemeinschaften sind:

Congregatio Jesu

Die älteste ignatianische Frauengemeinschaft ist die „Congregatio Jesu“ (CJ), früher „Maria-Ward-Schwestern“ oder „Englische Fräulein“ genannt. Mary Ward, eine katholische Adelige aus England, gründete Anfang des 17. Jahrhunderts eine Gemeinschaft von Frauen, die nach dem Vorbild der Jesuiten leben und arbeiten wollten. Nur unter großen Schwierigkeiten, die ihr für dieses damals ungewöhnliche, ja revolutionäre Werk von der Kirche (und auch von Jesuiten) gemacht wurden, gelang ihr Vorhaben in einigen Ansätzen: die Gründung eines Frauenordens, der bezüglich seiner Spiritualität, Ordensform, Leitung usw. gleich aufgebaut war wie der Jesuitenorden. Später wurde die Gemeinschaft verboten, lebte aber unter anderem Namen weiter.

Im 19. Jahrhundert kam sie dann – in Deutschland dank der Protektion der bayerischen Könige vor allem in Bayern und in der Pfalz – zu großer Blüte, aber nicht so sehr nach jesuitischem Modell, sondern als ein regional organisierter, eher klösterlicher Schulorden. Erst in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils konnten sich die Schwestern auf ihre jesuitischen Ideale zurückbesinnen: Sie durften in mehreren Schritten die Satzungen der Jesuiten vollständig im Rahmen des Kirchenrechts übernehmen, also mit Ausnahme der Passagen, die nach dem derzeitigen Kirchenrecht für Frauen nicht möglich sind, weil sie sich etwa auf das Priesteramt beziehen. Ihr Orden durfte den Namen „Congregatio Jesu“ („Gemeinschaft Jesu“) annehmen – parallel zu „Societas Jesu“ („Gesellschaft Jesu“).

Weitere Informationen zur Congregatio Jesu

Kongregation der Helferinnen

Die „Kongregation der Helferinnen“ ist eine apostolische Frauengemeinschaft im ignatianischen Geist und wurde 1856 in Paris von Eugénie Smet gegründet. Heute zählen etwa 70 Schwestern in Deutschland, Österreich, Rumänien und Ungarn zu den „Helferinnen der Provinz Zentraleuropa“, weltweit sind etwa 500 Schwestern in 22 Ländern auf vier Kontinenten aktiv.

Das Anliegen, Helferinnen der „Seelen im Fegefeuer“ zu sein, lässt sich heute am ehesten als Charisma der Hoffnung übersetzten. Es geht um die Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass die Liebe keine Grenzen kennt. Die Helferinnen versuchen diesen Geist der Hoffnung zu den Menschen in ihren jeweiligen Lebenswirklichkeiten zu tragen. Dies geschieht in der Begleitung von Menschen auf Entscheidungswegen, im Dasein für sozial und gesellschaftlich an den Rand Gedrängte, im Aushalten und Mitgehen in Trauer und Ohnmacht und dabei, die Frohe Botschaft vom lebendigen Gott den Menschen in ihre jeweilige Not hinein zu sagen. Aus dem Leitspruch der Gründerin „Bei allem Guten helfen, was es auch sei“ arbeiten die Helferinnen dafür schwerpunktmäßig in sozialen, medizinischen, pastoralen und erzieherischen Berufen.

Weitere Informationen zur Kongregation der Helferinnen

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