Forschungsprojekte

Lisa Herrmann-Fertig: Jesuita cantat!

»Musik« in der interkulturellen Kommunikation jesuitischer Mission in Südindien während des späten 17. und 18. Jahrhunderts

Dissertation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (2020)

Die Missionserfolge der Gesellschaft Jesu beruhen auf einer psychologisch durchdachten Missionsmethodik sowie der wohlüberlegten Anpassung an die Lebensgewohnheiten und den Bildungsstand der zu Bekehrenden. ›Musik‹ kam dabei im Kontext interkultureller Kommunikation als ›Werkzeug‹ zum Einsatz, wobei die wechselseitige Beeinflussung der ›Musik‹ der Missionare und der indigenen Formen ihrer Gegenüber musikalischen Kulturwandel zur Folge hatte.
Da sich die alte Sozietät zu weltweiter Mobilität verpflichtete, war sie auch in Südindien bis zu ihrer Ausweisung 1759 tätig. Eine Besonderheit ihrer Kommunikation stellen Briefe und Berichte dar, die ein weltumspannendes Informationsaustauschsystem bildeten und am Puls der Zeit entstanden. Teilweise wurden diese publiziert, großteils liegen sie aber bis heute unbearbeitet in Archiven und Bibliotheken. In dieser Studie werden sie als Quelle für die Musikforschung – im Schnittfeld der Historischen Musikwissenschaft und der Ethnomusikologie – auf Äußerungen über ›Musik‹ untersucht, um herauszuarbeiten, ob und auf welche Weise es den Jesuiten in Südindien gerade durch ›Musik‹ gelang, ihre Aufgaben zu erfüllen. Begonnen wird mit vorhandenen Erkenntnissen aus weiteren Überseemissionen; Reiseberichte und Musikalien eröffnen weitere Perspektiven.

Die Autorin, Frau Dr. Lisa Herrmann-Fertig, studierte Musikpädagogik, Musikwissenschaft und Ethnomusikologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Dort wurde sie an der Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften promoviert und arbeitet heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Musikwissenschaft mit Schwerpunkt Human-Animal Studies an der Hochschule für Musik Nürnberg.


Katrin Sterba: Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren

Studien zur Visualisierung katholischer Dogmen in der Jesuitenkirche und der Fronleichnamskapelle der Stadt Olmütz in der heutigen Tschechischen Republik

Dissertation an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (2019)

Im Zuge der Rekatholisierung rief das habsburgische Herrscherhaus im 16. Jahrhundert die ersten Mitglieder des Jesuitenordens nach Böhmen und Mähren. In Olmütz gründeten die Jesuiten ein Konvikt, das im 18. Jahrhundert eine neue Kirche und eine Fronleichnamskapelle erhielt. Anhand der Ausstattung dieser beiden Bauten wird in der Arbeit aufgezeigt, wie die Societas Jesu die auf dem Konzil von Trient bestätigten katholischen Dogmen den Gläubigen in der Ordensprovinz Böhmen vermittelte. Dabei steht besonders die Verehrung der Bilder, der Eucharistie, der Gottesmutter Maria und der Heiligen im Zentrum der Untersuchung. Denn diese galt es nicht nur gegenüber den Protestanten zu verteidigen, sondern auch den Gläubigen mithilfe der künstlerischen Ausstattung der Sakralräume zu veranschaulichen. Die Arbeit zeigt, dass sich die Societas Jesu dabei unterschiedlicher Mittel bediente, wobei sie einerseits auf bereits etablierte und bewährte Strategien zurückgriff, andererseits auch auf lokale Bedürfnisse einging. Dabei gelang es ihr, lokale Legenden sowie zeitgenössische Ereignisse mit theologischen Dogmen zu verknüpfen, um diese den Gläubigen zu veranschaulichen, zugleich aber auch um sie durch diese Verknüpfung zu aktualisieren. Die vorliegende Untersuchung geht deshalb nicht nur auf die Ausstattung der Olmützer Bauten ein, sondern ordnet sie auch in den Kontext ihrer Entstehungsgeschichte ein und erläutert darüber hinaus die Besonderheit posttridentinischer Sakralräume, ohne die ein neuzeitlicher Bau der Barockzeit und seine liturgische Funktion nur schwer verstanden werden kann.

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