1 / 1

Rom 1946: Mit so einer schnellen Generalswahl rechnete niemand...

Rösch berichtet nach München: "Wir haben herzlich gelacht"

Generalkongregationen finden in der Geschichte der Gesellschaft Jesu nur selten statt. Am 14. Oktober 2016 wurde mit dem Venezolaner Arturo Sosa SJ erst der 31. Generalobere überhaupt gewählt. Das besondere Wahlverfahren hat sich seit den Anfängen aber nicht geändert.

Jetzt ist im Nachlass des Jesuitenpaters Joseph Knünz SJ ein Brief des vor allem durch seine Tätigkeit im NS-Widerstand bekannten Provinzials Augustin Rösch SJ (1893-1961) aufgetaucht. Darin berichtet dieser als Teilnehmer der 29. Generalkongregation vom 6. September bis zum 23. Oktober 1946 ausführlich über die Generalswahl vor 70 Jahren. Der Orden war nach dem Tod von Wlodimir Ledóchowski (1866-1942) fast vier Jahre lang ohne Leitung. Erst nach Ende des II. Weltkrieges konnte 1946 eine Generalkongregation einberufen werden, die am 15. September den Flamen Johann Baptist Janssens SJ (1889-1964) zum neuen Generaloberen wählte.

P. General ist ein Flame und spricht außer flämisch auch deutsch, englisch, französisch, italie­nisch, spanisch und auch ziemlich russisch. (Er sollte einmal Oberer des Russicum werden und war auch in Konstantinopel). Er hat in Löwen studiert und dort und dann in Rom (Biennium) den Dr. im Kirchenrecht gemacht. Er ist ca. 57 Jahre alt, sehr freundlich und hat ein sehr gütiges Wesen und Sinn für Humor. Einige Tage vor der Wahl gingen wir miteinander (P. Schurmans war dabei) und da sagte er scherzend zu mir: Wie Sie, Pater, es mir 1938 gesagt haben, wie man am besten im Verkehr mit der Gestapo vorangeht, so habe ich es gemacht. Genaues erzähle ich Ihnen, lb. Pater, daheim.

Nach der Wahl und der ersten Obedienzleistung haben wir herzlich gelacht. Da wir eingesperrt waren, musste der Sekretär von innen läuten, dass man öffne. Die draußen aber hatten mit einer Wahl von längerer Dauer gerechnet und so hatten alle zu warten, bis überhaupt jemand erschien. Anschließend feierlicher Rückzug zur Kapelle und Te Deum."

(Hier lesen Sie den ganzen Brief)

Dr. Clemens Brodkorb

Dr. Clemens Brodkorb (Jg. 1966) ist Kirchenhistoriker. Seit 2000 leitete er das Archiv der Norddeutschen Provinz (in Köln), seit der Provinzvereinigung 2004 ist er der Leiter des Archivs der Deutschen Provinz der Jesuiten in München.

Newsletter