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Der Orden seit dem II. Vatikanum

In der Treue zur Tradition auf die Gegenwart antworten

Manchmal wird den Jesuiten von konservativen Kommentatoren vorgeworfen, die alte Strenge und Disziplin über Bord geworfen zu haben und sich dem Zeitgeist anzupassen. In der kirchlichen Umbruchsphase seit dem II. Vatikanischen Konzil wollen sich die Jesuiten tatsächlich nicht ins kirchliche Ghetto zurückziehen, sondern offensiv mit der Zeit und ihren Herausforderungen auseinandersetzen. Vor allem die letzten Generalkongregationen sind Ausdruck des Versuchs, sich vom Geist Gottes führen zu lassen und in der Treue zur Tradition und zum Evangelium Antworten auf die Nöte der Gegenwart zu geben.

Generalkongregationen treten selten zusammen und bestehen in der Regel aus etwa 200 Jesuiten - Provinziäle sowie weitere gewählte Delegierte. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Wahl des Generaloberen, aber auch die Schwerpunktsetzung für die Zukunft des Ordens und die Formulierung von wichtigen pastoralen und theologischen Impulsen.

Die 31. Generalkongregation (1965/66) wählte Pater Pedro Arrupe SJ zum Generaloberen und setzte die Impulse des Konzils für den Orden um. Erstmals formulierte sie programmatische theologische Texte zur Erneuerung des Apostolats, des Gemeinschaftslebens, der Ausbildung und der Leitungsstrukturen.

Die 32. Generalkongregation (1974/75), die von großen inneren Spannungen begleitet wurde, setzte einen Paukenschlag: Sie griff Anliegen der Befreiungstheologie auf und definierte die Sendung des Ordens als "Dienst am Glauben und Förderung der Gerechtigkeit".

Große Spannungen zum Papst gingen der 33. Generalkongregation (1983) voraus. Nach dem Schlaganfall von Pater Arrupe hatte dieser zunächst keine Neuwahl eines Generaloberen erlaubt, sondern einen päpstlichen Delegaten eingesetzt. Erst nach zwei Jahren konnte die Generalkongregation Pater Peter-Hans Kolvenbach SJ zum Generaloberen wählen.

Die 34. Generalkongregation (1995) beschäftigte sich wieder mit der inhaltlichen Neuausrichtung. Neben den beiden Akzenten Glauben und der Gerechtigkeit bestimmte sie zwei zusätzliche Schwerpunkte des Ordens: Dialog mit der Kultur und zwischen den Religionen.

Auf der 35. Generalkongregation (2005) war Ausdruck eines neuen und vertrauensvollen Verhältnisses zum Papst, der einem Generaloberen zum ersten Mal in der Geschichte des Ordens einen Rücktritt erlaubte. Neuer Generaloberer wurde Pater Alfolfo Nicolás SJ.

Erstmals in der Geschichte des Ordens besuchte mit Papst Franziskus ein Jesuit als Papst die 36. Generalkongregation (2016). Sie wählte Pater Arturo Sosa SJ zum neuen Generaloberen.

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