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Jesuiten in Deutschland

Petrus Canisius - der erste "deutsche" Provinzial

Mit Peter Faber kam bereits 1540 der erste Jesuit nach Deutschland. Es dauerte jedoch noch mehrere Jahre, bis die Ordensleitung die Schlüsselstellung Deutschlands für den Orden erkannte. Peter Faber und dann vor allem Petrus Canisius, der erste deutsche Jesuit, sind hier die prägenden Gestalten der Anfangsjahre. 1544 entstand in Köln die erste Jesuitenkommunität Deutschlands. Merkwürdigerweise entstand hier auch die Bezeichnung "Jesuiten" für die Mitglieder der Gesellschaft Jesu, zunächst in despektierlichem Sinne (Canisius: "Neid und Missgunst haben uns den Namen Jesuiten gegeben"), dann auch von den Ordensmitgliedern als Selbstbezeichnung auch in anderen Ländern übernommen. 1556 wurden die ersten beiden deutschen Provinzen gegründet (die Niederdeutsche, zu der auch das heutige Holland und Belgien, und die Oberdeutsche, zu der auch die österreichischen Territorien gehörten). Nach weiteren Teilungen gab es (ohne die habsburgischen Länder) in der alten Gesellschaft Jesu drei deutsche Provinzen: die Niederrheinische (unter Köln), Oberrheinische (Mainz) und Oberdeutsche (München), zu letzterer gehörte auch die Schweiz und Tirol.

Nach der Wiedererrichtung: Verbot und Vertreibung

Nach der Wiedererrichtung der Gesellschaft Jesu wurde 1826 wieder eine Deutsche Provinz gegründet. Sie existierte damals jedoch praktisch nur in der Schweiz. Nach dem Sonderbundskrieg 1846 wurden die Jesuiten aus der Schweiz vertrieben. 1849 begannen sie in Deutschland Fuß zu fassen. Aber 1872 wurden sie durch das Jesuitengesetz aus dem Deutschen Reich vertrieben. Die deutschen Jesuiten waren nun im "Exil": einmal in den Ausbildungshäusern, die sich in den Niederlanden, z.T. auch in Großbritannien befanden, dann in den Missionen, in denen nun über die Hälfte der ausgebildeten Jesuiten wirkte. Dies waren in Europa die skandinavischen Länder (seit 1873 Dänemark, seit 1879 Schweden), außerhalb Europas die vor allem für deutsche Auswanderer gegründeten Missionen in den USA (Buffalo-Mission) und Südbrasilien, schließlich die Bombay-Mission in Indien, ferner die Missionen in Rhodesien und (seit 1908) Japan. Das Jesuitenverbot wurde jedoch 1904 gemildert und 1917 (noch vor dem Fall des Kaiserreiches) aufgehoben. Die bis dahin eine Deutsche Provinz wurde 1921 in die Niederdeutsche (Sitz Köln) und Oberdeutsche (Sitz München), zu welcher damals auch noch die Schweiz gehörte, geteilt. 1931 entstand als dritte die Ostdeutsche Provinz (Sitz Berlin). Diese Teilungen wurden 1978, bzw. 2004 wieder rückgängig gemacht: 1978 wurden die Niederdeutsche und Ostdeutsche zur Norddeutschen Provinz vereinigt, 2004 diese mit der Oberdeutschen zu wiederum einer Deutschen Provinz.

Heute 327 Mitglieder an 29 Standorten

Heute zählt die Deutsche Provinz der Jesuiten mit Sitz in München 327 Mitglieder an 29 Standorten in Deutschland und Schweden. Schwerpunkte der Arbeit sind Hochschulen in Frankfurt/M., München und Uppsala (Schweden), Gymnasien in Berlin, Bonn-Bad Godesberg und St. Blasien sowie die City-Seelsorge in Berlin, Hamburg, Köln, München und Nürnberg. Der Orden unterhält den Jesuiten-Flüchtlingsdienst und die Jesuitenmission, die Hilfsprojekte weltweit unterstützt. Jesuiten engagieren sich außerdem in der Exerzitienarbeit sowie in der Jugend- und Studentenseelsorge. Provinzial ist seit 1. Juni 2017 Pater Johannes Siebner SJ, der zuvor Kollegsdirektor in St. Blasien und in Bonn-Bad Godesberg war.

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