Mit Geist, Herz und Hand

Wie wir Jesuiten arbeiten? „Mit Geist, Herz und Verstand“ – so formulierte es zumindest Jerónimo Nadal, ein wichtiger Jesuit der Anfangszeit. Ein gut geschulter Intellekt ist uns wichtig. Deshalb legen wir Wert auf eine fundierte akademische Ausbildung. Den Glauben an Gott in einer wissenschaftlich geprägten Welt zu vermitteln, Fakten von Fake News unterscheiden zu können und kluges Handeln wollen gelernt sein.

Genauso wichtig wie ein klarer Verstand ist uns „affektive Reife“. Wer sich seiner Gefühle bewusst ist, sich in seinem Körper zuhause fühlt und Zugang zu den Regungen seines Herzens hat, nimmt die Welt in sich und um sich ganzheitlich wahr. Eine reife Persönlichkeit ist offen für die Belange der Mitmenschen – und fähig zu Empathie.

Bei alledem ist die Arbeit eines Jesuiten durch und durch geprägt von seiner Rückbindung an Gott. Wenn Gott der Schöpfer der Welt ist, dann hat alles mit ihm zu tun. Und wenn Gott uns in Jesus Christus mitteilt, dass wir hineingenommen sind in die ewige Liebe des dreieinigen Gottes, dann ist es nur konsequent, alles im Licht dieser Liebe zu betrachten – und zu gestalten. Wer die umfassende Liebe Gottes permanent meditiert, wird immer mehr davon fasziniert sein – und dementsprechend handeln wollen.

Prinzipien

Wie arbeiten Jesuiten?

  • Spirituell

    Die Spiritualität der Jesuiten ist zunächst kirchliche Spiritualität. Das heißt, Jesuiten verlassen sich auf das Zeugnis der Kirche, dass Gott uns Menschen so sehr liebt, dass er sich als ein verletzbarer und sterblicher Mensch in unsere menschliche Welt hineinbegeben hat, um sie von innen heraus zu heilen und sie mit dem unsterblichen Gott zu verbinden - aus der Trennung von Gott („Sünde“) zu erlösen. Das hat eine Menge dogmatischer Konsequenzen, die wir Jesuiten als Ordensgemeinschaft der Kirche mittragen und auch als Missionsorden der Welt bezeugen möchten. Was aber zeichnet die ignatianische Spiritualität als so besonders aus?

  • Intellektuell

    Ignatius wusste um die Werte intellektueller Ausbildung und Präzisierung von Verstandeskraft, denn der arme hat sich tatsächlich noch im 33. Lebensjahr dazu durchgerungen, eine zehnjährige Ausbildung zu beginnen. Was das für eine Motivation braucht, kann man nur ahnen. Aber Ignatius sah diesen Weg als unausweichlich an und auch in den Grundlagentexten des Ordens wird die Bedeutung der Ausbildung zur Intellektualität immer wieder betont. Sie prägt bis heute Ausbildungszeit eines Jesuiten, die meist über zehn Jahre dauert. Da stellt sich die Frage: Warum braucht es eine so lange Bildung?

  • Universell

    Der eine bohrt Brunnen in Ostafrika. Der andere unterrichtete Siebtklässler. Ein Dritter arbeitet als Journalist im Vatikan, ein Vierter ist Künstler. Und das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was Jesuiten aus Deutschland alles so tun. Was allen aber gemeinsam ist, ist die die Begegnung mit anderen Kulturen. Seien es andere Generationen, andere soziale Herkunft, andere Sprachen, andere Kontinente, das Fremde, das Andere gehört zum Jesuit-Sein dazu wie das tägliche Gebet. Es ist der Auftrag des Ordens von Beginn an, nicht nur Priester zu sein, sondern noch mehr zu machen für die größere Ehre Gottes.

  • Zusammen mit anderen

    Schon der heilige Ignatius konnte in Rom nur deswegen Häuser für den Wohnungslose, Prostituierte und Waisen errichten, weil er Mitarbeitende hatte und mit ihnen Organisationen und Netzwerke errichtete, um diesen Diensten Dauer und Bestand zu verleihen. Sein Charisma inspiriert bis heute Tausende von Menschen auch in Deutschland. Um heute den Nöten unserer komplizierten und zerbrechlichen Welt zu entsprechen, sind viele Hände notwendig. Zusammenarbeit in der Sendung ist die Weise, wie wir dieser Situation entsprechen.

Partner

SJ-Generalskurie