Herausforderungen kirchlicher Führung
Stefan Kiechle SJ

Die beiden dringlichsten Fragen für eine „zeitgemäße Führung“ der Kirche sind die der Partizipation und die der Frauen. Wie können mehr Menschen an der Führung partizipieren?
Viel wird gesagt und geschrieben über Führung in der Kirche. Sie ist traditionell hierarchisch, jeweils ein Mann führt: seine Pfarrei, sein Bistum, die Weltkirche. Das wird theologisch aus der sakramentalen Struktur der Kirche erklärt, und diese Begründung gilt freilich, aber sie lässt ein modernes Selbstbewusstsein doch ein wenig unbefriedigt. Synodale Elemente ergänzen diese Führung, seit einiger Zeit auch weltweit, und viele Christen sind sehr froh damit. Letzte Entscheidungen hängen dann aber doch von den Amtsträgern ab, etwa jene, ob der Bischof oder Papst die Voten eines synodalen Gremiums in seinem Bereich umsetzt oder nicht. Wie kann es weitergehen?
Die beiden dringlichsten Herausforderungen für eine zeitgemäße Führung der Kirche sind für mich die der Partizipation und die der Frauen: Wie kann das gleichsam monarchische Prinzip aufgebrochen werden, so dass mehr Menschen an der Führung partizipieren? Der Heilige Geist leitet nicht nur einzelne Amtsträger, sondern jede Christin, jeden Christen und die ganze Kirche; also soll – ein altkirchliches Prinzip – das, was alle betrifft, von allen entschieden werden. Synodale Gremien sind mit ihrem Procedere, das intensiv auf das geistgewirkte Hören setzt, ein wirksames Mittel dafür, das teilweise aus jesuitischer Tradition stammt und vom Jesuitenpapst Franziskus eingeführt wurde. Synodalität sollte gestärkt werden, vor allem für Grundsatzfragen, weniger für das operative Handeln – dafür braucht es verantwortliche Exekutivorgane mit einer guten Beratungs- und Kontrollkultur.

Die Anfragen kommen weltweit, aus vielen Kulturen
Frauen sind von allen Kirchenmitgliedern die (größere) Hälfte, die bisher an der Führung – nicht nur der Administration, sondern auch der inhaltlichen Prägung kirchlichen Lebens – nur wenig beteiligt ist. Viele Frauen, vor allem gebildete, sind frustriert: Sie gehen beispielsweise nicht mehr zur Eucharistie, weil sie selbst besser predigen könnten. Viele ziehen sich in ihre Kreise zurück oder wandern ganz aus der Kirche aus. Dass Frauen in Einzelfällen in Ordinariaten und im Vatikan mittlere Führungsaufgaben bekommen, löst das Problem nicht, denn über ihnen amtieren weiter höhere Kleriker. Ist das alles nur ein Problem westlicher liberal-emanzipativer Kulturen? Nein, die Anfragen kommen weltweit, aus vielen Kulturen. Braucht es dafür eine weltweite Entscheidung? Nein, man könnte dezentral vorangehen, indem „Rom“ den Bischofskonferenzen oder – das wäre besser – lokalen synodalen Gremien die Freiheit gibt, erste nächste Schritte zu gehen.
Übrigens: Für Ordensgemeinschaften gilt gemäß ihrer Tradition und Spiritualität anderes: Frauenorden werden – hoffentlich ohne übergeordnete männliche Einmischung – von Frauen geleitet, Männerorden von Männern. Beide hoffentlich mit guter Hilfe von außen, auch durch das jeweils andere Geschlecht, aber die Selbststeuerung eines Ordens durch ihre Mitglieder ist zunächst gut so. Frauen bringen übrigens in Führung – das bestätigen viele Untersuchungen – andere Qualitäten ein, die auch Männern viel nutzen, etwa eine oft größere emotionale Wahrnehmung und Intelligenz. Und Männer haben wieder andere Qualitäten…
Führen ist ein Charisma und ein seltenes: Wer immer es hat, ob Frau oder Mann, wie auch immer liiert oder nicht, soll es einsetzen dürfen, zum Wohl der Kirche und der Christenheit.
Stefan Kiechle SJ hat in der Juni-Ausgabe 2026 der Stimmen der Zeit das Editorial zum Thema „Führen in der Kirche“ geschrieben.
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