Zwischenruf SJ

„Jetzt ist der Moment, die Pausetaste zu drücken“

Fabian Moos SJ

11.06.2026

Gemeinsam mit kirchlichen Investoren aus vielen Ländern wollen die Jesuiten Unternehmen dazu bewegen, keine Mineralien aus dem Tiefseeboden zu beziehen und keine Aktivitäten für den Tiefseebergbau zu finanzieren.

Warum engagieren sich die Jesuiten gegen den Tiefseebergbau?

Einer unserer weltweiten Schwerpunkte ist sozial-ökologische Transformation. Wir wollen als Jesuiten dazu beitragen, dass sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern, um die Schöpfung zu bewahren und Wohlstand gerechter zu verteilen. Tiefseebergbau erzeugt massive und irreversible Schäden auf den Meeresböden und zerstört ganze Arten. Die Lebensgrundlagen vieler Küstengemeinschaften sind bedroht. Alles, was die Ozeane schwächt, vermindert außerdem ihre Fähigkeit, als Kohlenstoffsenke gegen den Klimawandel zu wirken. Zahlreiche Länder und Unternehmen stehen in den Startlöchern, um den Tiefseebergbau schnellstmöglich auszubauen. Jetzt ist der Moment, die Pausetaste zu drücken und starke Regulierungen einzuführen, bevor Tatsachen geschaffen werden.

Angesichts solcher ökologischer Herausforderungen: Welche Verantwortung und Rolle haben Kirchen und Ordensgemeinschaften?

Kirchen und Ordensgemeinschaften sind oft globale Player – sie haben Ableger in vielen Ländern und bekommen so die Stimmen derjenigen mit, die selbst unmittelbar von ökologischen Schäden oder Ungerechtigkeiten betroffen sind. Ihre Verantwortung liegt darin, diese Stimmen hörbar zu machen und sich für sie einzusetzen. Es ist für uns als Glaubende nicht optional, die „Schreie der Erde und der Armen“ zu hören und darauf zu antworten, es ist Teil unserer DNA.

Wie verändert sich unser Blick auf die Natur, wenn wir sie als Schöpfung Gottes verstehen?

Die Welt besteht für gläubige Menschen nicht einfach aus neutralen Objekten, sondern alle Geschöpfe haben einen Eigenwert und sind von Gott geliebt. Das kann einen großen Respekt und den Wunsch auslösen, für sie zu sorgen. Genau das ist auch der Auftrag, den wir als Menschen laut der Bibel von Gott bekommen haben. Wenn ganze Landstriche, Ökosysteme oder Arten vernichtet werden – derzeit verschwinden täglich etwa 150 Arten aufgrund menschlicher Aktivitäten –, dann hat das auch mit unserer Gottesbeziehung zu tun. Wir sind Teil einer wunderbaren, lebendigen und verletzlichen Schöpfung. Wollen wir mit dem göttlichen Geschenk unseres Lebens so umgehen, dass wir das ebenfalls göttlich geschaffene Leben um uns herum zerstören?

Ist Tiefseebergbau auch eine Frage globaler Gerechtigkeit?

Die Gewinne gehen wie bei vielen anderen Industriezweigen in die reichen Länder, während die Risiken und Schäden vor allem ärmere Länder tragen, Küsten- und Inselstaaten, die wiederum kaum an den Entscheidungen beteiligt sind. Längerfristig sind die Folgen global, weil unter dem verstärkten Klimawandel und den zerstörten Tiefsee-Ökosystemen alle leiden werden. Es gibt aber eine zeitliche Verschiebung der Kosten in die Zukunft, das heißt, spätere Generationen werden den Preis für das zahlen, was wir heute auf dem Meeresboden tun. Sprich: Die Armen und zukünftige Generationen sind am stärksten betroffen und können sich nicht wehren. Umso mehr ist eine Anwaltschaft für ihre Anliegen wichtig.

Warum nutzen Jesuiten gerade ihre Rolle als Investoren?

Zusammen mit vielen anderen, in diesem Fall christlichen Investoren haben wir einen echten Hebel, um Veränderung anzustoßen. Ohne Investitionen kann Tiefseebergbau nicht funktionieren, und so kann Druck aufgebaut werden. Alleine wären wir zu klein, aber so habe ich die Hoffnung, dass wir etwas bewegen können.


Lesen Sie auch die Meldung zur Initiative: 
Jesuiten unterstützen internationales Engagement gegen Tiefseebergbau

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