Longevity: länger leben – aber wofür?
Christian Modemann SJ

„Hauptsache gesund“ bekommt die werdende Mutter genauso zu hören wie der 70-jährige Jubilar. Aber ist Gesundheit wirklich die Hauptsache? Müssen wir alle 100 werden? Ignatius von Loyola hätte Zweifel angemeldet. Denn die christliche Tradition stellt andere Fragen. Nicht: Wie können wir länger leben? Sondern: Wofür leben wir überhaupt?
Vor kurzem wurde bekannt, dass der Gründer der Longevity-Bewegung, Bryan Johnson, an einer unheilbaren Autoimmun-Krankheit leidet. Ist dies das Ende dieser Bewegung vom langen und gesunden Leben, die den Kampf mit der Sterblichkeit aufgenommen hat? Nein, so erklärte er unbeirrt, er werde versuchen, das Problem zu lösen!
Bryan Johnson, der Tech-Unternehmer, versucht seit vielen Jahren, durch gezielte Ernährung, Bewegung und Medikamente den biologischen Alterungsprozess aufzuhalten. Seine Frage lautet: Wie können wir länger leben? Seine Selbstoptimierung findet auch in Deutschland ihre Anhänger. Die Sorge um die eigene Gesundheit steht mehr und mehr im Fokus, je älter unsere Gesellschaft wird.
Für Christen lautet die Frage: Wie können wir ewig leben? Ewiges Leben meint eine andere Qualität und Dimension von Leben, nicht nur einfach eine unendliche Verlängerung des gegenwärtigen Zustands. Sicherlich gibt es auch für Christen die Verantwortung für die eigene Gesundheit aus Liebe um sich selbst. Die Sorge gilt dem eigenen Leib als „Tempel des Heiligen Geistes“. Doch die eigentliche Frage in der christlichen Tradition lautet: Wofür leben wir?
‚Unsere Gesundheit und die Länge unseres irdischen Lebens sind kein Ziel in sich, sondern sind ein Mittel, um das Ziel zu erreichen, zu dem wir unterwegs sind.‘
Was Ignatius mit Indifferenz meint
Ignatius von Loyola, der zusammen mit Gefährten den Jesuitenorden gründete, eröffnet in seinen Geistlichen Übungen gleich zu Beginn eine grundlegende Perspektive auf das irdische Leben: dass nämlich alles, was wir von Gott geschenkt bekommen haben, zu unserem Wohl sein soll im Blick auf unser eigentliches Ziel (vgl. Exerzitienbuch Nr. 23: Prinzip und Fundament).
Es ist nicht von vornherein klar, was uns mehr zu diesem Ziel hilft: Gesundheit oder Krankheit, langes Leben oder kurzes Leben.
Natürlich wünscht sich jeder Mensch, gesund zu sein und lange zu leben. Doch es ist nicht einfach festgelegt, was in der eigenen Berufung und in der persönlichen Lebenssituation das jeweils Bessere ist. Ignatius meint: Jeder Mensch sollte versuchen, sich bereit zu machen, beides anzunehmen, gleichmütig beides wertzuschätzen, weil es vor allem darauf ankommt, in der Beziehung zu Gott zu wachsen und ihm die Ehre zu geben.
Worauf es im Leben wirklich ankommt
Die geistliche Kunst besteht darin, zu verstehen, dass auch in einem kurzen Leben oder in einem Leben, das von Krankheit geprägt ist oder von Herausforderungen und vielleicht auch Misserfolgen, der Mensch mit Gottes Hilfe sein Lebensziel erreichen kann.
Denn der Lebenssinn besteht eben nicht in Erfolg, Reichtum, Karriere und Gesundheit, sondern darin, in der Beziehung zu Gott und den Menschen die geschenkte Lebenszeit intensiv und in Liebe und Dankbarkeit zu gestalten. Darin liegt ein erfülltes Leben.
Im Podcast „Zeiten des Aufatmens“ sprechen P. Christian Modemann SJ und Medienmacher Christian Busemann über Glaubensthemen, ausgehend von eigenen Erfahrungen. In Folge 16 (Juni 2026) geht es um das Thema „Longevity“ und um die Frage, was besser ist: ein langes Leben oder ein kurzes?
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