Spiritualität

Ignatianische Familie

Es gibt Benediktinerinnen, Franziskanerinnen, Dominikanerinnen … - aber keine Jesuitinnen. Warum hat der Jesuitenorden bis heute keinen Frauenzweig? Kann das jesuitische Ordensideal nicht auch von Frauen – in modifizierter Form – gelebt werden? Gibt es ignatianische Frauengemeinschaften?

Ja, es gibt sie.

Ignatianische Spiritualität

Was die ignatianischen Gemeinschaften verbindet: ihre Spiritualität. Was genau diese ausmacht, können Sie hier nachlesen.

Seelsorge versus Klausur

Jesuiten sind ganz auf die Seelsorge hin ausgerichtet, was im 16. Jahrhundert nur für Priester, also nur für Männer, denkbar war. Frauenorden konnte man sich damals nur streng klausuriert, d.h. in klösterlicher Abgeschiedenheit, vorstellen und genau so lebten in jener Zeit die „Frauenzweige“ anderer Orden. „Tätige“, also sozial oder seelsorgerlich aktive Frauenorden, gab es erst seit dem 17., in großer Zahl dann ab dem 19. Jahrhundert. Ignatius scheute außerdem die seelsorgerliche Verpflichtung, die damals andere Männerorden in ihre jeweilige klausurierten Frauenzweige zu erfüllen hatten.

Congregatio Jesu

Später bildeten sich allerdings immer wieder selbstständige Frauengemeinschaften, die sich an ignatianischen Idealen orientierten. Die älteste ist die Congregatio Jesu (CJ), früher Maria-Ward-Schwestern, auch Englische Fräulein genannt, der offizielle Name war Institutum Beatae Maria Virginis (IBMV): Mary Ward, eine englische katholische Adelige, gründete Anfang des 17. Jahrhunderts eine Gemeinschaft von Frauen, die ohne Klausur zusammenleben und nach dem Vorbild der Jesuitenkollegien Mädchen erziehen wollten. Nur unter großen Schwierigkeiten, die ihr für dieses damals ungewöhnliche, ja revolutionäre Werk von der Kirche, übrigens auch von Jesuiten, gemacht wurden, gelang ihr Vorhaben in einigen Ansätzen. Später wurde die Gemeinschaft verboten, lebte aber unter anderem Namen weiter. Im 19. Jahrhundert kam sie dann, in Deutschland dank der Protektion der bayerischen Könige vor allem in Bayern und in der Pfalz, zu großer Blüte, aber nicht so sehr nach jesuitischem Modell, sondern als ein regional organisierter, eher klösterlicher Schulorden. Erst in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils konnten die Schwestern sich auf ihre jesuitischen Ideale zurückbesinnen, sie durften die – modifizierten – Satzungen der Jesuiten übernehmen und den parallel zu Societas Jesu geformten Namen Congregatio Jesu (Gemeinschaft Jesu) annehmen.

Kongregation der Helferinnen

Die Kongregation der Helferinnen ist eine katholische Ordensgemeinschaft für Frauen. Die apostolische Gemeinschaft wurde 1856 in Paris von Eugénie Smet gegründet. Heute zählen etwa 70 Schwestern in Deutschland, Österreich, Rumänien, Ungarn zu den Helferinnen der Provinz Zentraleuropa, weltweit sind etwa 500 Schwestern in 22 Ländern auf vier Kontinenten aktiv.

Das Anliegen, Helferinnen der „Seelen im Fegefeuer“ zu sein, lässt sich heute am ehesten als Charisma der Hoffnung übersetzten. Es geht um die Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass die Liebe keine Grenzen kennt. ‚Diese Hoffnung ist keine, die sich ihrer selbst absolut sicher ist‘, formuliert eine französische Helferin. Hoffen ist für uns vielmehr ein Weg, die Zukunft offen zu halten, zu glauben, dass Zukunft möglich ist: in Krisen, in Brüchen, in Ohnmacht.
Die Helferinnen versuchen diesen Geist der Hoffnung zu den Menschen in ihren jeweiligen Lebenswirklichkeiten zu tragen. Dies geschieht in der Begleitung von Menschen auf Entscheidungswegen, im Da-Sein für sozial und gesellschaftlich an den Rand Gedrängte, im Aushalten und Mitgehen in Trauer und Ohnmacht und dabei, die Frohe Botschaft vom lebendigen Gott den Menschen in ihre jeweilige Not hinein zu sagen. Aus dem Leitspruch der Gründerin: „Bei allem Guten helfen, was es auch sei“ arbeiten sie dafür in schwerpunktmäßig in sozialen, medizinischen, pastoralen und erzieherischen Berufen.

Die Helferinnen wurden im Geist der ignatianischen Spiritualität gegründet und leben aus dem geistlichen Reichtum von Exerzitien, Schriftbetrachtung und Unterscheidung der Geister. Deshalb ist auch die Geistliche Begleitung und Exerzitienarbeit in Kooperation mit den Jesuiten und anderen ignatianischen Gemeinschaften eine wesentliche Aufgabe der Helferinnen.  

Ignatianische Gemeinschaften im Überblick

Neben der CJ gibt es zahlreiche weitere, meist kleine Frauenorden, die sich auf diese oder jene Weise an ignatianischer Spiritualität orientieren. Alle diese Gemeinschaften sind jedoch keine „Frauenzweige“ des Jesuitenordens, sondern rechtlich selbstständig. Heute arbeiten sie vielfach partnerschaftlich mit Jesuiten zusammen.

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