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Robert Bellarmin: Der Vorkämpfer

Robert Bellarmin wurde am 4. Oktober 1542 in Montepulciano in der Toskana in eine der spannungsreichsten Zeiten der Geschichte hineingeboren. Mütterlicherseits war er Neffe des späteren Papstes Marcellus II. (für den Palestrina seine berühmte Messe "Missa Papae Marcelli" komponierte), und daher schien für Robert eine geistliche Laufbahn vorgezeichnet. Der Knabe interessierte sich jedoch zuerst für die Naturwissenschaften und wollte Arzneikunde studieren. Doch als die Jesuiten 1557 in seiner Heimatstadt ein Kolleg eröffneten, äußerte Robert den Wunsch, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Sein Vater stimmte nach anfänglichem Widerstand zu, schrieb aber an den Generaloberen Diego Lainez SJ, dass er um Aufnahme seines Sohnes bitte, dieser jedoch noch ein weiteres Jahr zuhause bleiben sollte, um die Ernsthaftigkeit seiner Berufung zu prüfen. P. Lainez entsprach diesem Wunsch. Nach den ersten Gelübden studierte Bellarmin zunächst am Kolleg in Rom Philosophie und unterrichtete danach als Lehrer, unter anderem in Florenz. Anschließend begann er Theologie zu studieren - zuerst ab 1567 in Padua, dann ab 1569 in Louvain (Belgien). Am 25. März 1570 wurde er zum Priester geweiht und im selben Jahr als erster Jesuit Professor an der neu gegründeten theologischen Fakultät in Louvain. Im Laufe der nächsten sieben Jahre, die er dort verbrachte, kam er in Kontakt mit den Schriften der Reformatoren Luther und Calvin. In seinen Vorlesungen antwortete er auf ihre gegen die katholische Kirche vorgebrachten Anschuldigungen.

1576 wurde Bellarmin Professor für Kontroverstheologie am Collegium Romanum, der heutigen päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er bis 1589 lehrte. In dieser Disziplin wurden all jene theologischen Themen behandelt, die damals die Kirche spalteten, wobei die Position der katholischen Kirche besonders ausführlich erläutert wurde. Aus diesen seinen Vorlesungen entstand sein Hauptwerk "Disputationes de controversiis ...", das in etwa 20 Auflagen erschien und ihm den Ruhm des größten Polemikers der römischen Kirche und des gelehrtesten Theologen des Jesuitenordens einbrachte. In diesem Werk verteidigte P. Bellarmin das katholisch-tridentinische Lehrsystem, bemühte sich aber auch, die evangelischen Lehren objektiv darzustellen. Es bot so hervorragende Argumente, dass seitens der Protestanten eigene Lehrstühle zu deren Widerlegung eingerichtet wurden.

1592 wurde Pater Bellarmin Rektor des Collegium Romanum und 1594 Provinzial in Neapel. Papst Clemens VIII. machte ihn 1597 nach dem Tod seines theologischen Beraters, des Jesuitenkardinals Francisco Toledo, zu seinem Hoftheologen in Rom. Dort schrieb er seinen Katechismus, der in 62 Sprachen übersetzt wurde und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung fand. 1599 wurde er Kardinal und 1602 Erzbischof von Capua. Papst Paul V. bat ihn nach seiner Wahl 1605, in Rom zu bleiben, wo er bis zu seinem Tod lebte und Mitglied in mehreren päpstlichen Kommissionen war.

Außerdem spielte er eine nicht unwesentliche, mildernde Rolle in der ersten Phase des Prozesses gegen Galileo Galilei. Dennoch musste er ihn 1616 im Auftrag des Papstes und des "Heiligen Offiziums" zu sich rufen und ihm mitteilen, er dürfe fortan die Lehre von der Bewegung der Erde um die Sonne nicht mehr vortragen, weil sie dem Wortlaut der Heiligen Schrift widerspreche. Eine Abschwörung seiner Lehre brauchte Galilei aber nicht zu leisten, wie ihm der Kardinal auf seine Bitten schriftlich bestätigte.

Auch als päpstlicher Berater behielt Bellarmin seinen bescheidenen jesuitischen Lebensstil einschließlich der Exerzitien bei. Als er das 77. Lebensjahr erreicht hatte und nicht mehr ganz gesund war, bat er zuerst Papst Paul V., dann seinen Nachfolger, Gregor XV., sich zurückziehen und wieder im Noviziat in Rom leben zu dürfen, doch wurde ihm das erst im August 1621 gestattet, da keiner der beiden Päpste auf seine Dienste und seinen Rat verzichten wollte. Doch kurze Zeit nach seiner Übersiedlung erkrankte Bellarmin und starb am 17. September 1621. Sein Leichnam wurde zunächst in einer Kapelle der Kirche Gesù in Rom bestattet, aber 1923 in die dem heiligen Ignatius geweihte Kirche überführt.

Bellarmin wurde von Papst Pius XI. 1923 selig- und von demselben Papst 1930 heiliggesprochen. 1931 wurde er zum Kirchenlehrer erhoben. Sein Andenken wird am 17. September gefeiert.

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