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Historiker P. John W. O’Malley SJ verstorben

Historiker P. John W. O’Malley SJ verstorben

Am 11. September ist in Baltimore, Maryland (USA), P. John W. O’Malley SJ im Alter von 95 Jahren verstorben. Er gilt als einer der bedeutendsten Historiker der Gesellschaft Jesu weltweit. Mit seinen Arbeiten brachte er die historische Forschung über den größten katholischen Männerorden auf einen neuen Kenntnisstand und befreite sie von rein kircheninternem Spezialistentum. Seine 1993 veröffentlichte Darstellung „Die ersten Jesuiten“, dürften nicht nur nahezu alle Jesuiten der letzten Jahrzehnte gelesen haben, sie fand auch darüber hinaus großes Interesse und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. O’Malley war einer der führenden Experten zum Themenkomplex des frühneuzeitlichen Katholizismus, und der religiösen Kultur des frühmodernen Europas im 16. Jahrhundert, er publizierte aber auch zum Zweiten Vatikanischen Konzil.

John W. O’Malley wurde 1965 an der Harvard University promoviert. Er lehrte mehrere Jahre an der University of Detroit und nahezu drei Jahrzehnte als Distinguished Professor für Kirchengeschichte an der Weston Jesuit School of Theology in Cambridge. Zuletzt war er Professor für Theologie an der Georgetown University. Er war Präsident der Renaissance Society of America und der American Catholic Historical Association.

Er wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u.a. 1993 mit dem Jacques Barzun Prize der American Philosophical Society für seine Darstellung über die Jesuiten verliehen, 1996 mit dem Philip Schaff Prize der American Society of Church History. Die American Academy of Arts and Sciences wählte ihn 1995, die American Philosophical Society 1997 und die Accademia di San Carlo 2001 zum Mitglied. Ihm wurde die Johannes Quasten Medal von der Catholic University of America verliehen. Sein Buch Trent: What Happened at the Council wurde 2014 mit dem John Gilmary Shea Prize ausgezeichnet. O’Malley war Fellow der American Academy in Rome, der Guggenheim Foundation und der American Council of Learned Societies. Gastprofessuren führten ihn an die Harvard University, die University of Michigan, das Boston College, die Fordham University und die Oxford University. Ihm wurden mehrere Ehrendoktorate verliehen, darunter von der Marquette University, des St. Michael’s College der University of Toronto und der Sacred Heart University. Im Jahr 2002 wurde sein Lebenswerk mit dem Preis der Society for Italian Historical Studies ausgezeichnet. 2005 verlieh ihm die Renaissance Society of America den Paul Oskar Kristeller Lifetime Achievement Award.

R.I.P.

Übersicht der wichtigsten Publikationen:

     

  • Saints or Devils Incarnate? Studies in Jesuit History, Brill, Leiden u. a. 2013, ISBN 978-90-04-25737-5.
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  • The Jesuits. A History from Ignatius to the Present. Rowman & Littlefield, Lanham, Md. u. a. 2014, ISBN 978-1-4422-3475-8.
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  • Four Cultures of the West. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, Mass. u. a. 2004, ISBN 0-674-01498-7.
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  • Trent and All That. Renaming Catholicism in the Early Modern Era. Harvard University Press, Cambridge, Mass. u. a. 2000, ISBN 0-674-00087-0.
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  • Religious Culture in the Sixteenth Century. Preaching, Rhetoric, Spirituality and Reform (= Variorum Collected Studies Series. Bd. 404). Variorum, Aldershot 1993, ISBN 0-86078-369-3.
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  • The First Jesuits. Harvard University Press, Cambridge, Mass. u. a. 1993, ISBN 0-674-30312-1
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Foto: Dermot Roantree, Wikimedia

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