• Tausende Gläubige folgen den Darstellern von Jesus und Simon von Cyrene.
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Kreuztracht in Delbrück: ein Jesuit hält die Predigt

Delbrück – Jesus "trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt" (Joh 19,17) Dieser Satz aus der Johannes-Passion erinnert am Karfreitag Christen auf der ganzen Welt an das Leiden und Sterben Jesu. Einen besonders intensiven Ausdruck findet diese Erinnerung im katholischen Westfalen in den sogenannten Kreuztrachten, die auf die Jesuiten im 17. Jahrhundert zurückgehen.

Im westfälischen Delbrück werden sich am Karfreitag wieder Tausende von Pilgern auf dem historischen Kirchplatz einfinden. In einer großen Prozession begleiten sie einen Jesusdarsteller, der das fast 30 Kilogramm schwere Holzkreuz hinauf zur Kreuzkapelle trägt. Dort hält traditionell ein Jesuitenpater die Predigt - in diesem Jahr P. Ludger Hillebrand SJ (Essen), der aus dem Erzbistum Paderborn  stammt. Er lebt in Essen, wirkt dort in der Pfarrseelsorge und lebt zusammen mit einem weiteren Jesuiten in  einer Wohngemeinschaft mit Flüchtlingen ("Abuna-Frans-Haus").

Die Ursprünge der Kreuztracht am Karfreitag liegen im frühen 17. Jahrhundert. Zunächst führten Jesuiten diese Form der Prozession in den Bischofsstädten Münster und Paderborn ein. In Paderborn geschah dies nach dem Vorbild der sogenannten Siebenkirchenwallfahrt, wie sie in Rom üblich ist. Dabei machte die Prozession, die an der Jesuitenkirche begann, an sieben Kirchen in der Stadt Station. In Münster fand 1616 erstmals eine Kreuztracht statt. Hier waren die Darsteller Schüler des Jesuitenkollegs, der anonym bleibende Christus wurde angeblich häufig von hohen Geistlichen oder Adeligen dargestellt.

In Delbrück geht die Kreuztracht zurück auf die Wiederentdeckung eines Kreuzpartikels im Jahr 1671. Auf Geheiß des Fürstbischofs Ferdinands II. von Fürstenberg wurde das aus dem Jahr 1496 stammende Kreuz geöffnet und man fand die kostbare Reliquie. Die von den Jesuiten im Jahr 1674 eingeführte Karfreitagsprozession ist der Höhepunkt der Verehrung des Heiligen Kreuzes, die nach ersten Heilungswundern eine starke Intensität erreichte und Ausdruck der tiefen Verwurzelung des christlichen Glaubens in der Region ist.

Bis heute bleiben die Kreuzträger durch Kostüm und Maske unerkannt. Aus ganz unterschiedlichen Motiven melden sich Menschen, das Kreuz zu tragen: Einige wollen einfach ihren Glauben vertiefen und ihrer Verbundenheit mit Jesus Ausdruck verleihen. Andere verbinden damit den Dank für eine erhörte Bitte. Wieder andere bereuen eine persönliche Schuld und wollen dies ganz fühlbar zum Ausdruck bringen.

Kreuztrachten gibt es in Westfalen auch in Menden (Sauerland, Märkischer Kreis), Brakel-Gehrden und Bad Driburg-Pömbsen (Kreis Höxter), Sundern-Stockum (Hochsauerlandkreis), Coesfeld (Kreis Coesfeld) und Hörstel-Bevergern (Kreis Steinfurt).

Programm: 8.00 Uhr Beichtgelegenheit, 10 Uhr Kreuztracht von St. Johann Baptist zur Kreuzkapelle mit anschl. Predigt (P. Ludger Hillebrand SJ), 15.00 Uhr Karfreitagsliturgie, anschl. Beichtgelegenheit, 19 Uhr Kreuzfeier mit Predigt (P. Ludger Hillebrand SJ), 21 Uhr Komplet in der Kreuzkapelle. Weitere Informationen beim Pfarramt St. Johannes Baptist, Kirchplatz 11, 33129 Delbrück, Tel. 0 52 50 / 5 32 12.

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