• Nach seinem Tod am 1. November 1945 wird P. Rupert Mayer SJ im Oratorium von St. Michael aufgebahrt.
  • Strafgefangener Nr. 9469: P. Rupert Mayer SJ in der Haft in Landsberg/Lech. (Archiv-Bild)
  • P. Martin Stark SJ. Ⓒ SJ-Bild/Christian Ender
  • P. Rupert Mayer SJ 1935 beim Spendensammeln in München. (Archiv-Bild)
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Nur keine Angst!

Der tödliche Gehirnschlag trifft ihn am 1. November 1945, doch Pater Rupert Mayer bleibt aufrecht - wie er es zeitlebens war: als unbeugsamer Prediger gegen die Nazis und tatkräftiger Sozialapostel. 75 Jahre nach seinem Tod schreibt P. Martin Stark SJ einen Impuls, inspiriert von seinem Mitbruder.

Krisenzeiten sind Zeiten der Angst, aber auch des Mutes. Wir können mitunter Menschen erleben, denen wir so viel Mut gar nicht zugetraut hätten. Ein Mutmacher in bangen Zeiten, ein Hoffnungszeichen der Menschlichkeit ist für mich P. Rupert Mayer SJ.

Wir haben in diesem Jahr daran erinnert, dass St. Michael vor 75 Jahren zerstört wurde. Mich beeindruckt, dass P. Rupert Mayer, als er nach Kriegsende müde und gebrochen in das zerbombte München zurückzukehrt, genauso weiter macht wie vor der Zeit im KZ und in der Verbannung: im Sprechzimmer von St. Michael - belagert von Menschen, die verzweifelt nach ihren Ehemännern und Söhnen in Kriegsgefangenschaft suchen, die keine Arbeit und keine Wohnung haben, nichts anzuziehen oder nichts zu essen. Als er die Kanzel wieder besteigt, spricht er vom Neuanfang und der Notwendigkeit zu vergeben und zu verzeihen.

Vor 75 Jahren ist er an Allerheiligen gestorben, wie er gelebt hat: voller Mut und Hoffnung. In der Kreuzkapelle predigt er über die Seligpreisungen: „Die Kranken, die Heimatlosen, die Gefangenen, die elternlosen Kinder … Woher holen die Apostel der Caritas ihre Kraft?“ Dann trifft ihn der Schlag, und er stammelt nur noch: „Der Herr, der Herr, der Herr…“ Aufrecht steht er am Altar, gestützt durch seine Beinprothese, und stirbt wenig später im Krankenhaus. Nicht einmal im Sterben ist er umgefallen.

Das Geheimnis seines Lebens waren ein fester Glaube, ein mitfühlendes Herz und eine tatkräftig helfende Hand. „Nur keine Angst! Lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen! Seien wir guter Dinge, weil wir uns in Gottes Hand wissen.“

Das Gefühl der Unsicherheit der letzten Monate hat viele Fragen aufgeworfen - nach unseren Grenzen und dem Sinn des Lebens. Und vor allem danach, wie sich diese Welt zu einer guten Welt für alle Menschen machen lässt. Viele Menschen haben Gott neu entdeckt und das Beten wieder angefangen.

P. Rupert Mayer macht uns Mut, dass wir aus dieser Krise herauskommen, weil wir spüren, welches Potenzial die Liebe hat und wie wichtig es ist, von der Menschlichkeit nicht nur zu reden, sondern sie zu leben.

Martin Stark SJ

Autor:

Martin Stark SJ

Martin Stark SJ ist als Theologe und Journalist 2002 in den Jesuitenorden eingetreten und wurde 2007 zum Priester geweiht. Von 2006 bis 2012 leitete er den Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) Deutschland. Nach seinem Tertiat in Manila/Philippinen hat er seit 2013 als Socius des Provinzials der deutschen Jesuiten gearbeitet. 2018 übernahm er die Leitung der Abteilung Kommunikation & Fundraising. Seit 19. März 2020 ist er zusätzlich auch wieder Socius des Provinzials.

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