• Prof. Dr. Ottmar Edenhofer
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150 Jahre Stimmen der Zeit: Von Ignatius zu Papst Franziskus

Berlin (KNA/r) - Der Wirtschaftswissenschaftler und Klima-Experte Ottmar Edenhofer sieht die bisherige Klimapolitik weltweit als "gescheitert". Bei einer Online-Veranstaltung zum 150-jährigen Bestehen der Kulturzeitschrift „Stimmen der Zeit“ sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung am Donnerstagabend in der Berliner Katholischen Akademie, dass die Kohlendioxid-Emissionen und der damit verbundene Treibhauseffekt für das Weltklima weiter zunähmen. Selbst die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hätten den CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr nur auf den Stand von 2006 reduziert. Die Menschheit gehe weiterhin mit ihrem technologischen und ökonomischen Machtzuwachs unverantwortlich um.

Edenhofer bezeichnete es als Herausforderung einer effektiven Klimapolitik, dass sie den Besitz von Kohle, Öl und Gas "entwertet". Dann müssten die noch vorhandenen fossilen Brennstoffe zum großen Teil in der Erde bleiben, um das Weltklima nicht weiter zu belasten. Diese Rohstoffe müssten als "globales Gemeinschaftseigentum" anerkannt werden, damit sie mit Blick auf die ganze Welt verantwortlich bewirtschaftet würden. Dafür seien "dringend" neue institutionelle Formen wie Finanzmärkte und Investmentfonds notwendig. Das Pariser Klimaschutzabkommen sei dafür nur "ein erster Versuch".

Für den erforderlichen Mentalitätswandel sei die Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus eine wichtige Richtschnur, betonte der Klimaökonom weiter. Der Papst habe damit 2015 einen "Meilenstein" in der Soziallehre der katholischen Kirche gesetzt.

Der Provinzial der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten, P. Bernhard Bürgler SJ, nannte die "Stimmen der Zeit" ein "wichtiges Leitmedium" für Reformen in der Kirche. Sie sei "ein Radar, das auch auf noch unbemerkte Themen aufmerksam macht". Der Verleger Manuel Herder erklärte, die Zeitschrift übersetze "christliche Grundsätze in die Politik und Kultur".

Die Zeitschrift "Stimmen der Zeit" wird seit 150 Jahren vom Jesuitenorden herausgegeben und ist somit die älteste Kulturzeitschrift Deutschlands. Sie erscheint monatlich im Herder-Verlag (Freiburg/Breisgau) und hat derzeit nach Verlagsangaben eine Auflage von 3.500 Exemplaren. Erstmals erschien die Zeitschrift 1871 unter dem Namen "Stimmen aus Maria Laach". Das Kloster in der Eifel wurde damals von den Jesuiten genutzt. Mit der Verbannung des Ordens aus Deutschland durch Bismarcks Jesuitengesetz von 1872, das erst 1917 abgeschafft wurde, ging die Redaktion ins Exil nach Belgien, Luxemburg und Holland. Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde die Zeitschrift 1941 von den Nationalsozialisten erneut verboten und konnte erst 1946 wieder erscheinen. Sie engagiert sich bis heute für die Reformen, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) angestoßen hat.

Die Jubiläumsveranstaltung zum Nachschauen: https://youtu.be/Tg_TLUa0caE

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