• Gruppenbild mit Missionsprokurator: die Studenten mit P. Klaus Väthröder (vorne, Mi.), P. Friedrich Prassl SJ (li.), Rektor des Canisianums in Innsbruck, und P. Rüdiger Funiok SJ, Moderator des Formation Centre in München.
  • Für Adret Bakatoula beginnt Integration mit Sprache – und gelingt auch im Wirtshaus.
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Interkulturelle Begegnung ist keine Einbahnstraße

Nürnberg (JM) - Das Thema Integration stand im Mittelpunkt des Stipendiatentreffens der Jesuitenmission in Nürnberg. Am Wochenende kamen ausländische Studenten in Nürnberg zusammen, um sich untereinander und die Strukturen und Aufgabenbereiche der Jesuitenmission kennenzulernen.

Die größte Herausforderung? "Die deutsche Sprache", sagt Adret Bakatoula und zählt auf: "Die Grammatik ist kompliziert. Schwierig ist auch eine gute Artikulation." Klar: Adrets leichter, französisch klingender Akzent weist darauf hin, dass er Deutsch nicht von Kindesbeinen an spricht. Aber dass er es erst seit gut zwei Jahren lernt? Kaum zu glauben...

Begeisterter Hölderlin-Leser

Der 36-jährige Kongolese gehört zu den 16 Stipendiaten der Jesuitenmission Deutschland. Die 14 Jesuiten und zwei Diözesanpriester kommen aus Ländern wie dem Kongo, der Elfenbeinküste, Burkina Faso, Tansania, Vietnam, Indien, Indonesien, Singapur und Argentinien. An den Jesuitenhochschulen in München, Frankfurt oder Innsbruck studieren sie Philosophie oder Theologie und streben einen Master, eine Promotion oder, wie Adret, ein Lizentiat an. Im Sommer will er seine Lizentiatsarbeit abgeben, die sich mit dem Gottesbegriff im Christentum und Islam beschäftigt. "Im August werde ich dann in meiner Heimat Kongo-Brazzaville zum Priester geweiht", erzählt Adret, der nebenbei leidenschaftlicher Poet ist, Gedichte auf Französisch schreibt und mit Begeisterung Friedrich Hölderlin liest.

Jeder brachte etwas mit

Beim Stipendiatentreffen in der Nürnberger Jesuitenmission am ersten Aprilwochenende brachte jeder seine Erfahrungen und Begabungen ein, so dass es zwei vielfältig und international geprägte Tage waren: indisch-meditativer Gesang, Gitarren- und Trommelklänge, ein Referat über das Verhältnis der Religionen in der Region Malaysia-Singapur, Reflexionen über Höhen und Tiefen des Studiums in Deutschland, eine philosophische Betrachtung über Inkulturation am Beispiel des sonntäglichen Fernsehkrimis "Tatort".

"Es war ein sehr gutes Wochenende", resümiert der Nürnberger Jesuitenpater Trieu Nguyen SJ, der die Gruppe zusammen mit Missionsprokurator Pater Klaus Väthröder SJ und den Mitarbeitern Judith Behnen und Norbert Eckert empfangen hatte. Auch Pater Friedrich Prassl SJ, Rektor des Canisianums in Innsbruck, und Pater Rüdiger Funiok SJ, Moderator des Formation Centres in München, nahmen teil.

Inkulturation ist keine Einbahnstraße

Im Mittelpunkt des Treffens stand die Arbeit in Kleingruppen, die Idee, sich gemeinsam über die Herausforderungen des Lebens und Studiums in Deutschland auszutauschen. Und das sind nicht nur erwartbare Probleme wie Sprache, Kultur, Essen oder der Stellenwert von Technik im Alltag, sondern etwa auch die Tatsache, dass "ihr in Deutschland nur wenig über das Leben in Afrika wisst", wie ein Teilnehmer bemerkte: Interkulturelle Begegnungen finden eben nicht auf einer Einbahnstraße statt, sondern erfordern wechselseitige Sensibilität, um Missverständnisse auszuräumen. Für alle war die Balance zwischen den Anforderungen des Studiums und dem Eintauchen in die deutsche Alltagskultur ein großes Thema: "Um Leute kennenzulernen, ist es gut, sich in einer Pfarrei zu engagieren und Freunde zu finden", sagte einer der Teilnehmer, "aber gleichzeitig ist es wichtig, sich ganz auf das Studium zu konzentrieren, um alles in der geforderten Zeit zu schaffen."

"Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle"

Die Stipendien der Jesuitenmission werden über Spenden finanziert, zu denen viele einzelne Wohltäter und Wohltäterinnen beitragen. "Das zu wissen, macht mich sehr dankbar und spornt mich an, noch besser und schneller Deutsch zu lernen, um gut studieren zu können", meinte ein Stipendiat aus Indien, der erst seit wenigen Monaten in München lebt. Die Erfahrungen einer neuen Kultur können aber auch zu dem Gefühl einer inneren Zerrissenheit führen, gab einer der Teilnehmer zu bedenken. "Manchmal geht es mir so, dass ich mich bei meiner Familie zu Hause fremder fühle als in der Bibliothek in München. Heimat ist für mich da, wo ich mich wohlfühle."

Und mit dieser Definition war ganz klar Nürnberg am Samstagabend die Heimat für alle: Das gemeinsame Essen im Wirtshaus "Hütt'n" in der Nürnberger Altstadt brachte den Teilnehmern die fränkische Lebensart näher. Schäufele und die ein oder andere Halbe Bier waren für einige Teilnehmer aus Afrika, Indien oder Südostasien zunächst echte Herausforderungen - letztendlich waren sie "wunderbar", berichtet Adret, der sich schon jetzt auf das nächste Treffen in zwei Jahren freut.

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