• Rabbi Abraham Skorka umarmt Papst Franziskus 2014 an der Klagemauer von Jerusalem.
  • Rutishauser mit Michael Bollag, dem früheren Züricher Rabbinatsassistenten und Leiter des Instituts für Interreligiösen Dialog.
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Juden und Christen müssen sich gegenseitig stärken

Wir Christen dürfen nicht zulassen, dass Juden ihren Glauben heute in Angst und Unsicherheit leben müssen. Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle wollen wir uns für Verständigung einsetzen und für den Frieden beten. Der Schweizer Provinzial Christian R. Rutishauser SJ, einer der profiliertesten Vertreter des jüdisch-christlichen Dialogs, unterstreicht: Juden und Christen können sich gegenseitig in der je eigenen Berufung stärken.

Mit dem Stichwort Borderlines, Grenzziehungen, wird das Auseinandergehen der Wege von Juden und Christen in den ersten Jahrhunderten bezeichnet. An die vierhundert Jahre dauerte diese Entwicklung, die zum rabbinischen Judentum einerseits und zum kirchlichen Christentum andrerseits führt. Seither verstehen sich beide Tradition als Fortführung des altbiblischen Erbes. Allzu oft haben sich die beiden Erben bekämpft, wobei vor allem die Christen - zahlenmässig und an machtpolitisch überlegen - zu Tätern geworden sind. Doch seit der Mitte des 20. Jh. werden die alten Grenzziehungen neu beurteilt. In Begegnungen von Juden und Christen werden sie neu ausgelotet. Angesicht der engen Verwandtschaft und der Verkettung der beiden Glaubensweisen hatte Johannes Paul II. in der Synagoge von Rom 1986 denn auch betont: "Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas 'Äusserliches', sondern gehört in gewisser Weise zum 'Inneren' unserer Religion.... Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder."

Autor:

Pater Christian M. Rutishauser SJ ist Provinzial der Schweizer Jesuiten. 1992 trat er in den Jesuitenorden ein und wurde 1998 zum Priester geweiht. Von 2001 bis 2012 war er Bildungsleiter im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn. Der promovierte Judaist ist Delegationsmitglied der Deutschen und der Schweizer Bischofskonferenz sowie des Vatikans zur Beziehung mit dem Judentum und hat Lehraufträge für jüdische Studien u. a. an der Hochschule für Philosophie in München.

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