Sie sind 1991 in den Jesuitenorden eingetreten – welche Aspekte waren bei dieser Entscheidung ausschlaggebend?
Ich wollte in Gemeinschaft leben, beten und meditieren lernen und einen guten Ort haben, um herauszufinden, ob dieser Wunsch, Priester zu werden, tatsächlich so viel Fundament hat, um mich darauf einzulassen. Ich habe im Orden eine (innere) Heimat gesucht.
Was war weniger wichtig?
Da gab es kein wichtig oder nicht wichtig. Für manche Entscheidungen – und dies war eine davon – muss man sich Zeit nehmen. Man braucht dafür einen Ort und Hilfe, das ist das Wichtigste. Das habe ich im Noviziat gelernt und diese Hilfe vor allem bei meinen Novizenkollegen gefunden.
Als Direktor des HPH sind Sie für alle Bereiche im Haus verantwortlich. Wo spüren Sie im Alltag, dass Sie Prioritäten setzen müssen?
Ich halte nichts davon, eine getroffene Entscheidung zu vergötzen: Mit einer Entscheidung ist die
Arbeit noch längst nicht getan. Die Wirklichkeit ist doch so, dass sich Bedingungen verändern, und dann muss auch eine Entscheidung zurückgenommen oder angepasst werden. Wenn wir als Leitung Entscheidungen treffen, dann geht es nicht nur um Strukturen, sondern vor allem um Menschen. Sie müssen die Entscheidung verstehen, sie müssen wir motivieren und begleiten bei der Umsetzung. Einige brauchen dafür große Freiheit, andere kleinteilige Unterstützung. Und dann ist eine kontinuierliche Evaluation bei der Umsetzung erforderlich.
Das klingt sehr theoretisch. Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Ein Dauerbeispiel: Unser Haus läuft ungefähr vier bis fünf Monate auf Volllast, alle Seminarräume und Hotelzimmer sind belegt, alle Bereiche im Haus ausgelastet. Dann gibt es Zeiten – vor allem in den Ferien – mit deutlich weniger Arbeit. Deshalb ist die Personalstärke eine ständige Herausforderung und wir müssen uns fragen: Wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können wir uns leisten, und wie viele brauchen wir über die gesamte Zeit gesehen? Was können, dürfen und müssen wir unserem Personal abverlangen? In dieser Entscheidung müssen wir als Leitung viel Druck aushalten. Und wir können nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit oder nur auf die Menschen schauen. Das ist ein ständiges Abwägen.