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Provinzial: "Wir müssen zu einer Einheit wachsen"

Die Jesuiten gründen am 27. April, dem Gedenktag des Heiligen Petrus Canisius, eine neue zentrealeuropäische Provinz. Zu dieser gehören die Jesuiten aus Deutschland, Litauen, Lettland, Österreich, Schweden und der Schweiz. Ihr neuer Provinzial wird Pater Bernhard Bürgler SJ sein. Der Österreicher wurde bereits letztes Jahr vom Jesuitengeneral Arturo Sosa SJ ernannt. Der Tiroler hat den Prozess der Neugründung von Anfang an miterlebt und erzählt im Interview, was die neue Provinz mit 419 Jesuiten ausmacht.

Pater Bürgler, wie würden Sie die neue Provinz charakterisieren?

Die neue Provinz ist ein großes buntes Gebilde. Sie umfasst mehrere Länder, verschiedene Sprachen, unterschiedliche Kulturen. Das ist ein großer Schatz, das bringt auch so manche Herausforderung mit sich.

Der Schritt der Neugründung erfolgt nicht nur wegen sinkender Mitgliederzahlen sondern auch, damit Sie ihre Sendung noch besser umzusetzen können. Warum braucht es dafür eine neue Provinz?

Die Zeiten haben sich geändert und ändern sich. To better serve the mission, our mission! Das Ziel der Restrukturierung ist es, unserer Sendung besser zu dienen, um unseren Auftrag, das Evangelium zu verkünden, besser zu erfüllen. Dazu braucht es noch mehr Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und dafür gilt es Synergien zu nutzen. Es ist wichtig dafür zu sorgen, dass Mitbrüder ihren Charismen entsprechend eingesetzt werden. Wir sind davon überzeugt, dass eine neue größere Provinz genau dafür eine geeignetere Struktur bietet. Wir sollen präsent, relevant und wirksam sein und bleiben.

Es ist also nicht nur ein reiner Verwaltungsakt, sondern auch eine Antwort auf die heutige Zeit. Inwiefern?

Die Gründer unseres Ordens, Ignatius von Loyola und seine ersten Gefährten, wollten eine weltweite Gemeinschaft. Sie kamen aus verschiedenen Nationen und hatten ein Ziel: Die Botschaft Jesu zu den Menschen bringen, in die ganze Welt. In Zeiten, in denen sich nationalistische Tendenzen zu verstärken scheinen, ist es wichtig, einen Gegenakzent zu setzen. Es gilt die Kräfte, die über das eigene Land hinausschauen und -denken, die Kräfte, die zu gegenseitigem Verstehen und zur Versöhnung beitragen, zu stärken. Dazu wollen wir mit der Provinzgründung einen Beitrag leisten. Wir alle sind miteinander verbunden, wir gehören zusammen.

Der Prozess hat vor zehn Jahren begonnen, seit 2017 sind sie in den konkreten Planungen. Wie kann man sich einen solchen Prozess vorstellen?

Begonnen hat der Prozess damit, dass sich die Provinzen in Europa überlegt haben, wer mit wem in einen solchen Prozess gehen könnte. Im Laufe der Zeit hat sich dann herauskristallisiert, dass die vier Provinzen Deutschland, Österreich, Schweiz und Litauen/Lettland einen gemeinsamen Weg gehen wollen. Drei Dinge waren dann in dem Prozess spannend. Erstens, dass wir den Schritt als Neugründung, nicht nur als Zusammenlegung verstanden haben, was dem Ganzen einen anderen Charakter gab. Zweitens wählten wir für unser Vorgehen ein Organisationsmodell, das verschiedene Schichten unterscheidet und das den Existenzgrund der Organisation, das wofür es die Organisation überhaupt gibt, ins Zentrum stellt. Wofür es uns als Jesuiten gibt, das war der Kompass für unser Vorgehen und für die Gestaltung der neuen Strukturen. Drittens verstanden wir den Prozess als geistlichen Prozess. Wir bemühten uns aufeinander zu hören und miteinander nach dem zu suchen, was mehr dem Willen Gottes entspricht.

Was hat Sie im Laufe der Vorbereitungen am meisten überrascht?

Mich hat überrascht und gefreut zu sehen, wie viel Gutes in diesem Gebiet der neuen Provinz geschieht. Viele Mitbrüder und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzten sich mit großem Können und großem Engagement für das Reich Gottes ein. Wir können voneinander profitieren, auch lernen. Wir können uns gegenseitig befruchten.

Warum ist Petrus Canisius Patron der neuen Provinz? Was können wir heute noch von ihm lernen?

Er hat für die Sache Jesu gebrannt. Er trug ein Feuer in sich und wollte, dass es andere entflammt. Er war viel unterwegs, ging auf die Menschen zu – mit reichen und armen, einflussreichen und unbedeutenden, mit gläubigen und ungläubigen. Er kam mit ihnen ins Gespräch, hörte ihnen zu und teilte mit ihnen, das was ihm wichtig war, mit. Mission im besten Sinn. Er war innovativ. Und er hatte eine große Ausdauer. Persevera, halte durch, schrieb er schon als Schüler in eines seiner Hefte. Das wurde ihm zu einem Lebensmotto. All das können wir von ihm lernen, all das scheint mir wichtig im Hinblick auf die neue Provinz.

Was sind nun die Herausforderungen, die Ihnen bevorstehen?

Wir müssen zu einer Einheit zusammenwachsen. Wir müssen, bei aller Verschiedenheit, die ja auch ein Schatz ist, an einem Strang ziehen. Wir werden weniger, so dass uns nicht erspart bleiben wird, auf eine gute Weise zu reduzieren. Ich hoffe aber, dass damit auch Profilierung geschieht und dass Raum geschaffen wird, manch neues zu beginnen. Ich würde mich über so manche innovative Initiative freuen, z.B. im Bereich der Sorge um die Schöpfung. Die weltweiten apostolischen Präferenzen des Gesamtordens sind uns dafür eine gute und hilfreiche Richtschnur.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich darauf, nach und nach die verschiedenen Länder, die zur Provinz gehören, zu reisen, die Orte, an denen wir tätig sind, kennen zu lernen, mit den Menschen dort, den Mitbrüdern und den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt zu kommen. Ich hoffe, das wird bald möglich sein.

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