• Prof. Johannes Wallacher mit Papst Franziskus bei einer Audienz im Vatikan. Foto ©Vatican Media
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Wallacher: Wir müssen CO2-Verbrauch bezahlen

Für einen nachhaltigen Umweltschutz braucht es eine entsprechende Ökonomie und ein Umdenken der gesamten Gesellschaft, fordert Professor Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie in München, nach einer Konferenz im Vatikan. Für ein solches Umdenken brauche es gewisse Rahmenbedingungen.

Papst Franziskus empfing rund 500 Teilnehmer einer internationalen Konferenz im Vatikan, die über Umweltschutz und Zukunftsfragen sprachen – inspiriert von seinem Umweltschreiben "Laudato si" (2015). Das Treffen stand unter dem Motto "The Catholic Social Teaching from inception to the Digital Age: How to live the 'Laudato si'". Organisator der Konferenz war die päpstliche Stiftung "Centesimus Annus". Wir haben mit Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie in München, gesprochen, der als Experte an der Konferenz teilgenommen hat.

Was waren die konkreten Ergebnisse der Vatikan-Konferenz zum Thema Umweltschutz und Zukunftsfragen?

Johannes Wallacher: Konkrete Ergebnisse waren zunächst einmal eine Selbstvergewisserung über die Bedeutung von Laudato Si´, die eben keine reine Umwelt-Enzyklika ist. Sie versucht vielmehr eine Antwort zu geben auf die zentralen Zukunftsfragen nach einer nachhaltigen Entwicklung und nach einem Leitbild für Fortschritt, das uns einerseits erlaubt, die Umwelt zu schützen, und andererseits soziale Fragen zu lösen.

Und im Untertitel der Konferenz wurden schon die Schwierigkeiten auf dem Weg der Umsetzung deutlich: The hard route toward integral ecology (Der harte Weg zur ganzheitlichen Ökologie). Der harte Weg der Umsetzung, wie man von einem Ideal zur Realität kommt. Es wurden Herausforderung genannt, aber auch Stellschrauben.

Was sind solche Stellschrauben?

Wallacher: Der Papst hat zum Beispiel für das Assisi-Treffen 2020 Ökonomen eingeladen, um genau zu definieren, wie wir ökonomisches Denken erneuern – vielleicht auch wieder zu den Wurzeln zurückkehren. Der Ökonomie als Zielvorgabe zu geben, dass alle Menschen ein gutes Leben haben können, war ein ganz starker Aspekt. Ein weiterer Aspekt war die Frage nach der Bildung für nachhaltige Entwicklung als zentrale Aufgabe gerade auch für kirchliche Einrichtungen.

Papst Franziskus hat zum Schutz der Umwelt einen Wandel der Gesellschaft gefordert. Was müsste man hier in Deutschland tun, um diesen Wandel zu erreichen?

Wallacher: Ich glaube, die Diskussion, die wir momentan führen, geht in den Kern. Wir brauchen für einen wirksamen Umweltschutz die ökonomischen Rahmenbedingungen: Der Gebrauch von CO2 und von Umwelt-Ressourcen müssen bezahlt werden. Es ist im Grunde genommen keine Steuer, wie es oft genannt wird, sondern es ist eine Kompensation für die Kosten, die wir sowieso produzieren, aber bisher immer auf Dritte, auf die Armen, auf nachfolgende Generationen übertragen haben. Wenn wir das überwinden wollen, dann müssen die Kosten die volle ökologische und soziale Wahrheit widerspiegeln. Wenn wir erreichen, dass jeder seinen CO2-Verbrauch bezahlen muss, dann werden die wirtschaftlichen Akteure und auch die Bürgerinnen und Bürger als die Konsumenten, als die Reisenden ihre Entscheidungen auch danach ausrichten.

Heißt: Wir müssen das Verursacherprinzip ernster nehmen. Wenn wir heute die Kosten des Konsums betrachten, auch die Kosten der Produktion, dann spiegeln die eben nicht die wahren Kosten wieder. Diese werden nämlich ausgelagert auf die Armen, auf die zukünftigen Generationen. Das müssen wir schnellstmöglich beenden.

Dazu brauchen wir aber auch persönliche Verhaltensänderungen und wir brauchen vor allem auch neue Leitbilder, die eben nicht in einem „immer mehr, immer höher und immer schneller“ denken, sondern die dabei helfen, eine Zukunft für alle und für den Planeten zu sichern

Was wollen Sie an der Hochschule für Philosophie für den Umweltschutz tun?

Wallacher: Wir behandeln diese Fragen schon seit über 15 Jahren in der Forschung und in der Lehre. Wir haben gefördert durch die Deutsche Bundestiftung Umwelt ein Zentrum für Umweltethik und Umweltbildung eingerichtet, wir haben im Bereich der Lehre ein Wahlpflichtmodul zu Nachhaltigkeit und viele der Abschlussarbeiten unserer Studenten beschäftigen sich mit diesem Thema.

Gleichzeitig wollen wir aber auch im eigenen Handeln die Frage im Blick haben: wie wir die Bewirtung organisieren, wie wir das Gebäude managen. Auch bei solchen Fragen müssen wir vorangehen. Das kann neben der regulären Weiterentwicklung der Hochschule nicht einfach nebenherlaufen. Da brauchen wir zukünftig mehr Aufmerksamkeit. Außerdem wollen wir das, was wir in der Forschung an Ergebnissen produzieren, an Multiplikatoren in Wirtschaft, in Gesellschaft und Politik weiterleiten. Das ist ein ganz wichtiger Auftrag, den die Hochschule hat.

Der Jesuiten-Orden hat sich selbst dazu verpflichtet, sich den Umweltschutz auf die Fahnen zu schreiben. Was würden Sie ihm empfehlen, wie er das auch konsequent umsetzen kann?

Wallacher: Ich glaube, das ist eine Querschnittsaufgabe durch alle Tätigkeitsfelder des Ordens hindurch. Das fängt an bei der Spiritualität, denn es ist ein Thema der persönlichen Bekehrung. Das hat der Papst sehr deutlich gemacht. Es sei nämlich die Grundlage allen Handelns. Es hat auch etwas mit Bildung zu tun; ein Bereich, in dem der Orden ganz stark ist. Es hat auch was damit zu tun, wie die Werke und Kommunitäten des Ordens versuchen, glaubwürdig zu handeln.

Es deckt also das gesamte Spektrum ab, das der Orden bedient, bis hin zur Flüchtlingsfrage, wenn ich zum Beispiel den Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) anschaue. Denn wir wissen schon heute, wenn wir die Fragen nicht angehen, werden wir die Flüchtlingskrisen der Zukunft produzieren. Insofern ist auch hier alles mit allem vernetzt und ich glaube, es ist ein wichtiges Zeichen, dass der Orden diese Priorität setzt. Nun muss man sie als Querschnittsaufgabe in allen Wirkungsfeldern auch umsetzen.

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