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Provinzarchiv stellt den anderen Rahner vor

München - „Unterschätzt – und wiederzuentdecken“: Unter diesem Titel stellt eine neue Schrift des Archivs der Deutschen Provinz der Jesuiten P. Hugo Rahner SJ (1900–1968) vor, der am 3. Mai vor 120 Jahren geboren wurde. Die 48-seitige-Broschüre, die von Archivar Dr. Clemens Brodkorb und P. Dr. Niccolo Steiner SJ bearbeitet wurde, zeichnet anhand zahlreicher Abbildungen das Leben des Jesuitentheologen nach. Als Professor für Kirchengeschichte, Rektor der Universität Innsbruck und des Theologenkonvikts Canisianum war er Übersetzer und Kenner des Ignatius von Loyola und der ignatianischen Spiritualität. Wie sein vier Jahre jüngerer Bruder Karl Rahner, der ebenfalls Jesuit war und zu den bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts zählt, war er Schriftsteller und verfasste neben vielen Artikeln mehrere bedeutende Bücher. Die beiden Brüder sollen im Scherz die Zentimeter ihrer Neuerscheinungen im Bücherregal verglichen haben. Papst Franziskus zitiert den „großen Bruder“ öfters: „Hugo liest sich gut, Karl ist schwierig zu lesen.“

P. Dr. Andreas Batlogg SJ stellt Hugo Rahner in seiner Einleitung als interdisziplinären und konfessionsübergreifenden Denker vor, dem es als Mann der Kirche, als Wissenschaftler und als Jesuit darum ging, „von der Theologie zur Praxis“ zu kommen:

„Hugo Rahner war es gegeben, Welten zu erschließen: die Welt der Kirchenväter und die im neuscholastischen Schulbetrieb gemeinhin stiefmütterlich (wenn überhaupt) behandelte Symboltheologie; die Welt des Ordensstifters Ignatius von Loyola, dessen hagiographische Übermalungen er durch ein theologisches Profil zu ersetzen trachtete (auch wenn er in seinen Übersetzungen mit einer geglättet-geschliffenen Sprache das oft holprige Original vergessen machte); die Welt der Theologie, welche die Verkündigung im Blick hat, also die Sinnsuche des konkreten Menschen, der kein Objekt der ‚Beseelsorgung‘ ist. Hugo Rahner wollte die Kirchengeschichte nicht einfach den Historikern überlassen, die Kirchenväter nicht den Patristikern, Ignatius nicht den Hagiographen, das Abendland nicht Ewiggestrigen oder rhetorischen Humanisten und Theologie nicht denen, für die im Schulbetrieb längst alles beantwortet war.“

Infolge einer Parkinson-Erkrankung und eines Schlaganfalls wurde Hugo Rahner 1963 vorzeitig emeritiert und zog 1966 nach München um. Dort starb er am 21. Dezember 1968 und wurde auf dem Ordensfriedhof in Pullach beigesetzt.

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